Fassen wir unsere jüngsten statistischen Beobachtungen zur Corona-Krise zusammen, so ergibt sich folgendes Bild:

  • Im 2. Quartal 2021 lag das BIP real um +9,9% über dem Vorjahr (1.2), der Export um +11,2% und der private Konsum um +3,2% (1.3).
  • Bei einer Erholung der Brutto-Wertschöpfung von +4,5% entfielen +1,4% auf das produzierende Gewerbe (1.4). Der Umsatz des Kraftfahrzeughandels ist auf Rekordniveau (2.1a). 
  • Der nominale BIP-Beitrag der deutschen Exporte stieg im 2. Quartal im Vorjahresvergleich um +7,5%, der Beitrag der Importe um +5,7% (7.1, 7.3). Ein vorübergehender Rückgang des Außenhandelsüberschuss ist inzwischen ausgeglichen (7.5).
  • Der Auftragseingang und der Produktionsindex der Industrie hatten ihren Tiefpunkt im April 2020. Im Juli 2021 hatten sie das Niveau vom Jahresanfang 2020 übertroffen (2.2a). Die Konjunkturindikatoren der EWU zeigen im Juni 2021 ein ähnliches Bild (2.4). Die Geschäftserwartungen von ifo lagen im August 2021 wieder auf hohem Niveau (2.3).
  • Die Kreditversorgung der deutschen Unternehmungen blieb bisher von der Krise unberührt (3.5). Auch das stramme Geldmengen-Wachstum Deutschlands bzw. der EWU ist nicht beeinträchtigt worden (3.11a). Während die FED ihr Geldangebot rigoros verbilligt hat (3.12), hat die EZB zur Stärkung des Geldangebots der Banken ein neues Pandemie-Notfallankaufprogramm aufgelegt.
  • Im 2. Quartal 2021 lag der BIP-Anteil des Verfügbare Einkommen der Privaten Haushalte um +2,5% über dem Vorjahreswert, der Anteil des privaten Konsums um +4,0% und der Anteil der privaten Ersparnis  um -2,0% unter dem Vorjahreswert (4.2a). 
  • Im 2. Quartal betrug die gesamtwirtschaftliche Sparquote +9,0% des BIP, während die Quote der privaten Ersparnis noch bei +16,8% des verfügbaren Einkommens lag (6.6). Diese Kaufzurückhaltung der privaten Haushalte ist eine wichtige Erscheinung der Corona-Krise. Sie schwächt die wirtschaftliche Entwicklung spürbar.
  • Der Beitrag der privaten Investitionen ohne Wohnungsbau zum BIP stieg im 2. Quartal 2021 gegenüber dem Vorjahr preisbereinigt um +1,7%-Punkte (6.3).
  • Gegenüber dem Vorjahr ist die Zahl der Arbeitnehmer im 2. Quartal 2021 um +0,5% gestiegen, die Zahl der Arbeitnehmerstunden dagegen um +5,8% (9.4, 9.4d). 
  • Angesichts einer Zahl von über 47 Millionen Erwerbspersonen lag die Zahl der Arbeitslosen im Vorjahresvergleich  um 365 niedriger (April 2021). Die Zahl der Kurzarbeiter, im Vorjahr nur 50 Tausend, betrug  im Juni 2021 1,6 Millionen, nach einem Maximum von 6 Millionen im April. In der Finanz-Krise, als das Kurzarbeitergeld seine erste Bewährungsprobe bestanden hat, waren es 1,4 Millionen Kurzarbeiter gewesen (9.1d). 
  • Der Anteil der Staatseinnahmen am BIP lag im 1. Quartal 2021 um +0,7% über dem Vorjahresstand, der Anteil der Staatsausgaben dagegen um +5,6%. Das gesamtstaatliche Defizit betrug 7,3% des BIP (5.1)
  • Die mit der Corona-Krise verbundenen Liquiditätsverschiebungen lassen Inflationssorgen entstehen. Der Auftragseingang signalisierte im Januar 2021 das Erreichen des Vorkrisenniveaus. Im Juli 2021erreicht die Inflationsrate 3,1%, ohne Energie 2,1%. Nach dem Ende der Pandemie könnten die gestauten Ersparnisse in den Konsumkreislauf zurückströmen und vorübergehend den Preisdruck erhöhen.


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