3. Geld und Kredit


Abb. 3.1: Wachstum, Geld- und Kreditentwicklung in Deutschland - nominal

Erläuterung: Die Kredite und Einlagen deutscher Banken gegenüber Nichtbanken beziehen sich in dieser Übersicht auf das EURO-Gebiet.


Abb. 3.2: Nominales Wachstum und Liquidität des Bankensystems – deutscher Beitrag


Abb. 3.3: Wachstum und Kreditentwicklung in Deutschland und in der EWU – nominal

Kommentar: Seit Herbst 2014 wachsen die Kreditbestände in Deutschland. In der EWU wachsen sie seit 2016.


Abb. 3.4: Wachstum und Entwicklung der Bank-Kredite an Inländer in Deutschland - nominal

Kommentar: Die deutsche Kreditausweitung konzentrierte sich in der Vergangenheit auf den öffentlichen Sektor. Seit 2013 wächst das öffentliche Kreditvolumen nicht mehr, seit 2016 sinkt es. Seit 2014 wachsen die Kreditbestände der Unternehmen deutlich. Die Monatsdaten zu den Krediten der Selbständigen spiegeln nicht die Kreditschwankungen im Monatsverlauf (Dispokredite) wider.


Abb. 3.5: nominales Wachstum und Entwicklung der Unternehmenskredite

Kommentar: In der Regel ist das wirtschaftliche Wachstum eng mit der Kreditausweitung der Unternehmungen verbunden. Eine hohe Liquidität der Unternehmungen mindert allerdings deren Kreditbedarf. 


Abb. 3.6: Wachstum und Inflation

Kommentar: In der Krise tendiert die Preisentwicklung zur Deflation. Aber im 4. Quartal 2020 wendete sich die Entwicklung zur Inflation. Im April 2021 lag die deutsche Verbraucherinflation bei 2,1%, ohne Energiepreise bei +1,3%. In der EWU ist die Verbraucherinflation zwischen November 2012 und Januar 2015 von 2,8% auf -0,6% gesunken – Ausdruck einer deflatorischen Entwicklung. Im Juni 2021 betrug die Inflationsrate 2,1% bei einer Energiepreissteigerung von 13,1% gg. Vorjahr. 


Abb. 3.7: Zinssätze in Deutschland

Erläuterung: Die kurzfristigen Zinssätze des Geldmarktes werden von der EZB über ihre Zinssätze gesteuert - (Zinssätze der EZB für die Einlagefazilität, die Spitzenrefinanzierungsfazilität und Hauptrefinanzierungsgeschäfte, der deutsche Basiszinssatz wird von der Bundesbank angepasst).

Kommentar: Von Jahresbeginn bis Juni 2009 hatte die EZB ihre Zinssätze in monatlichen Schritten drastisch gesenkt. Diese Niedrigzinsphase dauerte bis Anfang 2011 an. Sie hat die Geldmarktzinsen, die Umlaufrendite und die langfristigen Kreditzinsen auf Tiefstwerte sinken lassen. Ab April 2011 hat die EZB in Sorge um die europäische Preisstabilität ihre Zinssätze in kleinen Schritten angehoben. Seit Ende 2012 hat die EZB ihre Zinssätze wiederholt gesenkt, um einer Kreditklemme entgegenzuwirken. Der Hauptrefinanzierungssatz betrug seit April 2016 0,00%, der Einlagenzinssatz minus 0,4%! Die Bundesbank hat ihren Basiszinssatz wiederholt gesenkt, zuletzt auf minus 0,88%. Seit Sommer 2019 liegt die Umlaufrendite unter Null!


Abb. 3.7a: Kreditzinsen in Deutschland.


Abb. 3.8: Wachstum und Zinssätze in Deutschland


Abb. 3.8a: Wachstum und Realzins in Deutschland


Abb. 3.9a: Finanzierungszugang ist dringlichstes Problem - Befragung von Unternehmungen

Abb. 3.9b: Veränderung des Bedarfs an Bankkrediten - Befragung von Unternehmungen 

Abb. 3.9c: Kreditwunsch durch Banken teilweise oder ganz abgelehnt - Befragung von Unternehmungen

Abb. 3.9d: Zugänglichkeit zu Bankkrediten verbessert/verschlechtert - Befragung von Unternehmungen

Abb. 3.9e: Kreditvergabebereitschaft der Banken verbessert/verschlechtert -Befragung von Unternehmungen

Erläuterung zu a-e: Seit 2009 erhebt die EZB halbjährlich einen „Survey on the access to finance of SMEs in euro area“, der auf Unternehmensbefragungen beruht.

Kommentar zu a-e: Besonders kritisch war die Finanzlage der KMU in der EWU im 2. Hj. 2009. Während sich die Lage in Deutschland stetig verbessert hat, wurde in der EWU bis 2014 40% der KMU der Kreditwunsch ganz oder teilweise abgelehnt. 2017 waren es nur noch 26%. Die Bereitschaft der Banken zur Kreditvergabe hat sich in Deutschland und in der EWU seit 2014 deutlich verbessert. Dies gilt auch für die KMU. 


3.10: Die Geldpolitik der EZB

Erläuterung: Das Wachstum wird als Abweichung vom Trend dargestellt, um es zeitlich mit den übrigen Indikatoren zu synchronisieren. Die Lohnkosten pro Produktionseinheit sind nur um den Produktivitätseffekt bereinigt und drücken im Rahmen der Inflationstheorien den Preisdruck der Lohnkosten aus.

Kommentar: Diese Grafik zeigt die Geldpolitik der EZB vor dem Hintergrund ihrer wichtigsten Beobachtungsindikatoren. Vor der Finanzkrise folgten die Zinssätze der EZB dem realen BIP-Wachstum.


Abb. 3.10a: Preise, Löhne und Gewinne in Deutschland und in der EWU

Kommentar:Die Lohnentwicklung wird von der Zentralbank besonders kritisch beobachtet. 


Abb. 3.10b: Effektiver Wechselkurs des Euro

Erläuterung: Der nominale effektive Wechselkurs des Euro stellt den Durchschnitt der Wechselkurse zu 19 Handelspartnern der Eurozone dar, gewogen mit den jeweiligen Handelsmengen: je höher der Index desto teurer die europäischen Exporte.


Abb. 3.11: Entwicklung von nominalem BIP und Geldmenge in Deutschland und in der EWU

Abb. 3.11a: Entwicklung von nominalem BIP und Geldmenge in Deutschland und in der EWU 

Kommentar zu 3.11 und 3.11a: Die EZB hat dem Geldmengenwachstum ein Ziel von 4,5% pro Jahr vorgegeben. Tatsächlich lag das Geldmengenwachstum seit 2001 bis zum Sommer 2008 ständig und teilweise beträchtlich darüber: Von 1998 bis 2020 sind in Deutschland das BIP nominal um 74% gewachsen, die Geldmenge M3 um 160%. Für die EWU betragen die Zahlen 98% bzw. 206%. Weder ist ein Einfluss dieses Geldmengenzieles auf die tatsächliche Geldmengenentwicklung zu erkennen, noch besteht eine erkennbare Proportionalität zwischen BIP- und Geldmengenwachstum, den die Geldmengentheorie unterstellt. 

Der deutsche Beitrag zur Geldmengenentwicklung erreichte 2008 ein Rekordniveau. In der Finanzkrise ist das Geldmengenwachstum in Deutschland und in der EWU zum Erliegen gekommen. Seit Sommer 2010 wachsen in Deutschland die Geldmengen wieder, seit Sommer 2011 auch in der EWU.


Abb. 3.12: Zentralbankzinsen und Geldmarktsätze – international


Abb. 3.12a: Zentralbankzinsen und langfristige Zinssätze

Kommentar: Seit 1980 sinken die US-amerikanischen Renditen trendartig, begleitet von der Discount Rate der FED, die zwischen 2009 und 2015 nahe null lag. Seit 1991 wurden diese Werte in Deutschland von Renditen und Diskont- bzw. Basiszinssatz schwesterlich begleitet, seit 1999 von dem Hauptrefinanzierungssatz der EWU, der im März 2016 null % erreicht hat. Dieser säkulare Trend der Renditen gegen null ist sicherlich nicht das Werk der Geldpolitiken von Zentralbanken.


Abb. 3.13a: Kredite bzw. Aktiva der deutschen Banken gegenüber In- und Ausland

Abb. 3.13b: Aktivsaldo der deutschen Banken gegenüber dem Ausland

Abb. 3.13c: Forderungssaldo deutscher Banken gg. inländischen und ausländischen Nichtbanken

Erläuterung: Der Saldo ergibt sich bei Inländern und EWU-Ausländern aus Krediten minus Einlagen, bei den übrigen Ausländern aus Aktiva minus Passiva.

Kommentar zu 13a, 13b und 13c: Seit 2001 sinkt der Forderungssaldo deutscher Banken gegenüber inländischen Nichtbanken in % des BIP stetig. In Reaktion auf diesen Niedergang ihres Inlandsgeschäfts haben die Banken - nahezu spiegelbildlich - ihre Auslandsgeschäfte ausgedehnt. Nach der Finanzkrise haben die deutschen Banken ihr Auslandssaldo von 85% des BIP auf 40% zurückgeführt. 


Abb. 3.13d: Kredite deutscher Banken an ausländische Banken und Nichtbanken

Kommentar: An dieser Ausdehnung des Kreditgeschäfts ins Ausland – zwischen 2000 und 2008 Ausdehnung des Kreditvolumens um 1,7 Billionen Euro – waren Kreditbanken, Geschäftsbanken und Landesbanken gleichermaßen beteiligt. Von November 2008 bis 2012 wurden die gesamten deutschen Kreditforderungen an das Ausland dann um mehr als ein Drittel verringert. Großenteils dürfte es sich dabei um Abschreibungen handeln. 


Abb. 3.13e: Nettogeldvermögen in Deutschland nach Sektoren - Salden

Erläuterung: Das Nettogeldvermögen ist der Saldo zwischen Geldvermögen und Verbindlichkeiten. Zu den privaten Haushalten zählen auch die Selbstständigen.


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